november

november

Nach dem Ausleihen steht der Film 48 Stunden lang zum Ansehen bereit.

Sprache Deutsch, Englisch
Untertitel Englisch
Genre Essay
Land Österreich, Deutschland
Jahr 2004
Regie Hito Steyerl
Länge 25 Minuten
Altersempfehlung Film 18 Jahre

In den achtziger Jahren drehte Hito Steyerl auf Super-8-Material einen feministischen Martial-Arts-Film. Ihre beste Freundin Andrea Wolf spielte darin die Hauptrolle einer kämpferischen Frau in Lederkluft und mit Motorrrad. Das Engagement, das damals in der Formensprache des Exploitationkinos zum Ausdruck kam, wurde bei Andrea Wolf später ganz zur politischen Praxis: Sie ging als Kämpferin auf Seiten der PKK in die kurdischen Gebiete zwischen der Türkei und Nordirak, wo sie 1998 getötet wurde. In kurdischen Kreisen wird sie als "unsterbliche Revolutionärin" verehrt, ihr Bild wird auf Demonstrationen mitgetragen.

Hito Steyerl untersucht in november die vielfachen Wechselbeziehungen zwischen einer territorialen Machtpolitik (wie sie die Türkei mit Unterstützung aus Deutschland in Kurdistan betreibt) und individuellen Formen des Widerstands. Die Erinnerung an die Freundin und die Zeugnisse ihres Lebens provozieren die Filmemacherin zu einer grundsätzlichen Reflexion: Sie begreift, wie im globalen Diskurs die faktischen und fiktionalen Zusammenhänge ineinander übergehen. Das Bild der Freundin als revolutionäres Pin-Up ist anschlußfähig an asiatisches Genrekino und private Videodokumente gleichermaßen. Wenn der Oktober die revolutionäre Stunde ist, dann ist der November die Ernüchterung danach, aber auch die Zeit des Wahns - aus dieser Position denkt Hito Steyerl über eine Beziehung nach, an deren Anfang eine Pose stand, deren Implikationen Andrea Wolf so ernst nahm, daß sie sich mit symbolischer Praxis nicht mehr begnügen wollte. Andrea Wolf wählte das Andere des Filmemachens, und wurde erst recht zu einer "Ikone". (Bert Rebhandl)

 

Hito Steyerl ist Professorin für Experimentalfilm und Video sowie Mitbegründerin des Research Centers for Proxy Politics an der Universität der Künste Berlin. Sie studierte in Tokyo und München Kinematographie und Dokumentarfilmregie und promovierte mit einer philosophischen Arbeit an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Ihr besonderes Forschungsinteresse gilt den Medien, der Technologie und der Verbreitung von Bildern. In ihren Texten, Performances und essayistischen Dokumentarfilmen setzt sich Hito Steyerl zudem mit postkolonialer Kritik und feministischer Repräsentationslogik auseinander. Dabei arbeitet sie stets an der Schnittstelle von bildender Kunst und Film sowie von Theorie und Praxis. 

Nach dem Ausleihen steht der Film 48 Stunden lang zum Ansehen bereit.