Die ArbeiterInnen verlassen die Fabrik

Die ArbeiterInnen verlassen die Fabrik

Nach dem Ausleihen steht der Film 48 Stunden lang zum Ansehen bereit.

Genre Avantgarde/Arts
Land Österreich
Jahr 2012
Regie Katharina Gruzei
Produktion Katharina Gruzei
Länge 11 Minuten
Altersempfehlung Film 18 Jahre

Katharina Gruzei vereint eine gesellschaftspolitische Fragestellung mit einem präzisen formalen Konzept, was selten im experimentellen Film zu finden ist. Ausgehend vom ersten Film der Brüder Lumière La sortie de l’usine Lumière à Lyon, der eine große Zahl von Arbeiterinnen und Arbeiter beim Heraustreten aus dem Fabrikstor dokumentiert, beginnt Gruzei bereits im Inneren, in einem aufgrund des Schnitts elendslang wirkenden Gang, der sich aus der Dunkelheit herausschält. Die Architektur des Korridors – eine Fertigungszeile der geschlossenen Austria Tabak Werke – blitzt jeweils nur in Teilstücken im surrenden Neonlicht auf. Die eindrückliche Lichtchoreographie und der Sound stammen von einer Installation der Künstlerin in den leeren Räumen.

Langsam kommen die Rücken der ersten ArbeiterInnen mit Mantel und Handtaschen gekleidet ins Bild, die Kamera begleitet sie beim Verlassen der Arbeitsstätte. Es werden immer mehr, die den dunklen flackernden Gang entlanggehen. Spätestens in diesen Szenen wird die Unheimlichkeit des Raumes und die Bedrohlichkeit einer Masse, die sich zum Widerstand formieren könnte, spürbar. Sämtliche Fragen nach den Hintergründen der Berufsrealität dieser in der Hauptsache weiblichen ArbeiterInnen lassen sich assoziieren: Ist es bereits Nacht, wenn sie die Fabrik verlassen? Welche Art der Arbeit müssen sie ausführen? Was verdienen ArbeiterInnen heute? Wie lange ist der Heimweg von diesem Monstrum an Produktionsstätte und wann wird diese wohl in ein Billiglohnland verlegt?

Wenn alle ProtagonistInnen sich kurz wie für ein Foto formieren und frontal in die Kamera blicken, fragt man sich, wie ein Kampf um menschengerechte Arbeit heute aussehen müsste, damit er erfolgreich ist. Das automatische Eingangsgitter öffnet und schließt sich lautlos, um die anonyme Menge zu entlassen.

(Brigitta Burger-Utzer)

 

Katharina Gruzei arbeitet mit Fotografie, Film, Video, Installationen, Performances im medialen Übertrag, Sound und Objekten. Ihren Konzepten entsprechend experimentiert sie zwischen diesen Feldern und überzeugt mit ihrer besonderen Bildsprache. Gruzeis Interesse liegt im Gebrauch von Medien als politisches, wie auch soziologisch - kulturelles Werkzeug. Mit ihren visuellen Strategien decodiert sie die «Gemachtheit» und Ideologie von Bildern. Ihre Recherche beginnt bei einzelnen Bildern und endet nicht selten in Archiven. Unter der Verwendung von vorgefundenem Material faltet sie die Kulturgeschichte als Untersuchungsfeld künstlerischer Auseinandersetzung auf, in die sie ihre eigenen Positionen und Gedanken einflechtet.

Nach dem Ausleihen steht der Film 48 Stunden lang zum Ansehen bereit.